Festgeld-Zinsen auf dem Rückmarsch, Tagesgeld weiter hoch verzinst
Die Funktionsweise von Festgeld- und Tagesgeldeinlagen funktioniert beinahe gleich. Ein Anleger legt sein Geld bei einer Bank an. Diese bezahlt im Gegenzug Zinsen für dieses Geld. Der einzige Unterschied besteht eben darin, dass der Kunde beim Tagesgeldkonto jeden Tag flexibel auf sein Geld zugreifen kann, während beim Festgeld das Geld für eine bestimmte Laufzeit fest an die Bank gebunden ist. Dieser Nachteil wird durch den Vorteil der höheren Zinsen auf das Festgeld ausgeglichen, mag man meinen. Doch Fehlanzeige: Die Tagesgeldverzinsung ist oftmals genauso hoch wie die Festgeldverzinsung!
Tarifvergleich zeigt höhere Zinsen auf das Tagesgeldkonto
Vergleicht man die Zinsen von Tagesgeld und Festgeld auf Tagesgeld.info so stellt man erstaunt fest, dass man bei einem Tagesgeldkonto teilweise mit einer attraktiveren Verzinsung rechnen kann, als bei einem Festgeld. So liegt der Höchstsatz für ein Online-Tagesgeld im Moment (Stand Oktober 2011) bei 2,70% Verzinsung im Jahr. Legt man 10.000 Euro an, bekommt man also am Ende des Jahres 270 Euro Zinsen. Beim Vergleich der Festgeldverzinsung für ein Jahr dagegen kommt heraus, dass maximal 3,0% für den Anleger pro Jahr möglich sind. Das ist gerade einmal 0,3% mehr Zinsen als beim Tagesgeld. Dafür kann man jedoch nicht auf sein Geld zurückgreifen. Entschließt man sich, sein Geld über einen längeren Zeitraum anzulegen, beispielsweise fünf Jahre, so kann man immerhin eine Verzinsung von 4,60% erreichen.
Gründe für die niedrigen Festgeldzinsen
Warum sind die Festgeldzinsen auf einem so überschaubaren Niveau? Dies hängt stark mit dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen. Der Leitzins ist ein Instrument der EZB, mit der sie die Inflation in Europa beeinflussen kann. Ist der Leitzins hoch, so können sich die Banken nur teuer Geld beschaffen, sie garantieren dem Anleger also hohe Zinsen. Ist der Leitzins niedrig, können sich die Banken billig Geld beschaffen und bieten daher nur geringe Festgeldzinsen an. In der Finanzkrise 2008 senkte die EZB den Leitzins auf dem niedrigsten Stand der Geschichte, auf 1,00%. Die Festgeldzinsen stürzten rapide ab. Die Tagesgeldverzinsung hängt ebenso vom Leitzins ab, jedoch bei Weitem nicht so stark wie die Festgeldzinsen. Der Grund liegt auf der Hand: Beim Tagesgeld können die Banken die Zinsen während der Einlage verändern, beim Festgeld gilt der beschlossenen Zinssatz bis zum Ende der Laufzeit. Dies ist der primäre Grund für die weiterhin relativ hohen Zinsen beim Tagesgeld im Vergleich zum Festgeld.
Zinswende könnte kommen
Inzwischen hat die Europäische Zentralbank den Leitzins wieder moderat erhöht – auf 1,25%. Dies bedeutet auch höhere Zinsen auf das Festgeld und auf das Tagesgeld. Ob es allerdings tatsächlich zu einer richtigen Zinswende kommt, steht noch in den Sternen, da die europäische Schuldenkrise wieder zu einer Wirtschaftskrise werden könnte und das bedeutet gleichzeitig weiterhin einen niedrigen Leitzins. Gelingt die Zinswende dagegen, wird in Festgeld wieder attraktiver.
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